NDR1 Bericht zum Römerlager mit Ministerin

 

NDR 1 Radiobericht „Kies oder Römer“ vom 24.08.2017 19:05 Uhr

 

Ein Römerlager vor den Toren Hannovers. Dort will ein Schweizer Baukonzern nun Kies abbauen. Doch was hat Vorrang? Der Denkmalschutz oder das Rohstoffsicherungsgesetz? Audio (45:31 min)

 

Radiobericht in Mediathek: http://bit.ly/2wvYz1R

 

-Einspielmusik-

Radiosprecher: NDR 1 Niedersachsen – Unser Thema

 

Bürgermeister Schacht-Gaida: Die ersten Funde, die waren doch so klasse. Es waren römische Münzen aus der Zeit um Christi Geburt und damit war eigentlich klar, dass sich hier römische Truppenverbände aufgehalten haben müssen. Und natürlich brauchen wir alle Kies, das ist ja nicht die Frage, aber wenn Sie sich die Topographie und die Geographie Hemmingens angucken, dann sehen Sie, dass wir schon sehr sehr viel dazu beigetragen haben, dass hier Menschen auskiesen konnten, also ich denk` wir haben unsere Schuldigkeit getan.

Hagemann (RAGL):  Sie müssen sich vorstellen – der ganze Bereich von dort drüben, riesig groß, dreißig Hektar, war voll mit römischen Legionären.

Niederstadt (Bürgeriniative):  Es ist einfach unbeschreiblich, wenn man sich vorstellt, was für ein großes Lager das gewesen ist. Ich war mal in Rom und das Forum Romanum, das war für mich die also absolut...das Highlight einfach mal über diese Straßen zu gehen, von denen ich weiß, dass die alten Römer und der Caesar da gewesen sind und dass es einfach auch ein tolles Gefühl ist zu wissen, das ist hier gewesen.

Lehmann (NGH):  Also die Kategorie eines Denkmals von landesgeschichtlicher Bedeutung, wie das Römerlager Wilkenburg eingestuft wurde, ist die höchste Kategorie, die es gibt für ein Denkmal. Und diese Denkmäler werden in der Regel vom Land aufgekauft und dann quasi zu Grabungsschutzgebieten erklärt oder zumindest für die Zukunft gesichert. Bei Wilkenburg soll dazu nichts passieren, das ist sehr ungewöhnlich.

Unidentifizierte männliche Stimme:  Wir sind inzwischen auf einer Linie mit dem Land und auch das Land sagt nicht, dass man diese Fläche erhalten kann und muss. Rechtliche Möglichkeiten hätte das Land, aber das sagt auch das Land nicht.

Fürst (Jüdische Gemeinde): Bei jeder Fliese, die heute in einem Haus abgenommen werden soll, kommt der Denkmalschützer und sagt „Das geht auf keinen Fall“ und wir haben hier ein Landesdenkmal und dieses Landesdenkmal soll zerstört werden, indem dort Kies abgebaut wird. Das ist für mich nicht nachvollziehbar.

Radiosprecherin Guckel-Seitz: Es könnte alles soo schön sein.  Ein Römerlager vor den Toren Hannovers. 20.000 Soldaten sollen hier etwa im Jahr fünf nach Christus auf dreißig Hektar Fläche ein Lager aufgeschlagen haben. Ob nun für einen Tag oder auch mehrere, die Experten sind da noch uneins.  Bekannt wurde das Marschlager 2015. Alle haben sich damals riesig gefreut, das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Hannover, der Bürgermeister und die Bürger der Stadt Hemmingen. Und die niedersächsische Ministerin für Kultur und Wissenschaft Gabriela Heinen-Kljajic (MWK) sprach sogar von einem herausragenden Erfolg der niedersächsischen Archäologie. Doch jetzt im Sommer 2017, da freut sich keiner mehr so richtig, denn es gibt Probleme mit der Fundstätte. Denn der Schweizer Baukonzern Holcim, weltweit agierend, will in diesem Gebiet Kies abbauen. Was hat nun Vorrang, das ist jetzt also die große Frage. Der Denkmalschutz oder die Rohstoffsicherung? Die Geschichte oder der Kies?  Eine verzwickte, aber hochinteressante Frage, über die unser Thema heute Abend ausführlich berichtet. Und dazu begrüßt Sie ganz herzlich Sabine Gurke-Salz. Bei mir jetzt im Studio ist der Mann, der 2014 alles ins Rollen gebracht hat, der Luftbildarchäologe und Pastor Heinz-Dieter Pastor Freese (FAN) aus Martfeld bei Hoja.

Pastor Freese (FAN):  Jawohl.

Radiomoderatorin: Herr Pastor Freese (FAN), Sie gelten ja als der Entdecker des Römerlagers in Wilkenburg, was fangen Sie denn mit dem Titel an?

Pastor Freese (FAN): Naja, Entdecker bin ich eigentlich erst in zweiter Linie gewesen, der eigentliche Entdecker war der Luftbildarchäologe Otto Brasch, der so Anfang der neunziger flächendeckend Niedersachsen überflogen hat in heißen Sommern und dann viele Aufnahmen gemacht hat und 2014 hatte ich diese alten Aufnahmen gesichtet im Landesamt für Denkmalpflege, weil ich dort so ehrenamtlich tätig bin, im Bereich Luftbildarchäologie. Ja und dabei stieß ich auf diese Fotos und man sah in einem Getreidefeld eine dünne Linie, die ein Rechteck bildet, ein großes, aber  eine abgerundete Ecke hat ziemlich deutlich. Und da denkt man dann gleich an Römerlager, weil die damals ganz typisch so gebaut haben, in einer Spielkartenform mit abgerundeten Ecken, so muss man sich das vorstellen.

Radiomoderatorin:  Also „runde Ecke“ ist immer bei Ihnen gleich „Römer“.

Pastor Freese (FAN): Jaaa, da fängt`s dann an. Sozusagen der Kampf da drum, ist das jetzt was oder nich. Weil runde Ecken gibt`s auch in beim Ackerbau oder in der Steinzeit. Bloß diese Ecke, die war eben wirklich ganz so, als wenn man sie auf dem Messtisch entworfen hat, das sprach für Militär und nicht für Ackerbau. Aber am wichtigsten ist, aus meiner zwanzigjährigen Erfahrung, dass ich jetzt eben im Ausschlussverfahren überlegt hab, was ist das jetzt, dieser Graben? Ist das jetzt alter Ackerbau, ist das jetzt Kanalisation, hat da mal Wasser drin gestanden, `ne Drainage, alte Eiskeile aus der Eiszeit. Alles das war eigentlich auszuschließen, so dass ich dann eben das vorgestellt habe im Rahmen eines Vortrags und gesagt habe „Jaa, siebzig Prozent , das könnte ein römisches Marschlager sein. Hier in Wilkenburch haben zwei Kollegen von mir in anderen Bundesländern auch diese Fotos  dann nochmal angeguckt und haben gesagt „Nö, das können wir nicht so bestätigen, dass das unbedingt jetzt römisch ist.“ Bis dann eben sozusagen jetzt mal im militärischen Stil die Bodentruppen kamen und dann da nochmal nachgeforscht haben.

Radiomoderatorin: Die Bodentruppen, das waren die Archäologen vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie...

Pastor Freese (FAN): Jawohl

Radiomoderatorin: ...die haben Sie schon ernst genommen?

Pastor Freese (FAN):  Jawohl. Aber ab dann war ich da sozusagen außen vor und hab´ dann abgewartet, was kommt.  Und es kam dann ja vor Allem eben Funde mit den Metalldetektoren. In diesem riesigen Gebiet, es ist ja mit einer Kantenlänge von jeweils fünf- oder sechshundert Metern...

Radiomoderatorin: Dreißig Hektar.

Pastor Freese (FAN): Ja, genau.  Ja und das Dolle ist, gerade die Fläche ist nicht bebaut. Ich hab´ nochmal `ne Luftaufnahme, hab` ich eigentlich auch mitgebracht, hätt` Ihnen zeigen können...

Radiomoderatorin:  Ja, s....

Pastor Freese (FAN): ...wo man so...

Radiomoderatorin:  ...ja das hilft uns im Fernfunk .....

 

Pastor Freese (FAN): Hahaha

Radiomoderatorin:  ....ja leider gar nicht...

Pastor Freese (FAN): Ja leider, ja. Aber das sieht man eben ganz Hannover und dann in der Mitte sieht man wie `ne Insel, eine kleine Insel, die nicht bebaut ist und da isses nur. Das ist nun wirklich ein großartiger Zufall.

Radiomoderatorin:  Haben Sie denn wirklich gleich gewusst, dass da unten, unter Ihnen wirklich was Bedeutsames liegt?

Pastor Freese (FAN): Hab`ich erstmal in dem ersten Moment nicht geahnt, aber natürlich, eben haben wir ja in Niedersachsen bisher sowas noch nicht gehabt. Wir wissen zwar, dass eben zu der damaligen Zeit natürlich auch römische Heere durchs Land gezogen sind und dann diese Gräben hinterlassen haben, aber sie sind eben so unwahrscheinlich schwierig zu finden, weil sie nicht tief sind.

Radiomoderatorin:  Jetzt wird ja sehr um das Römerlager gekämpft, widerstreitende Interessen gibt es hier, Kiesabbau versus Denkmalschutz. Was hat denn in Ihren Augen Vorrang?

Pastor Freese (FAN): Es wäre eben schade, wenn jetzt an dieser Stelle dieses römischen Lagers eben ein Kiessee wäre, hinterher würde man sagen „Wir Hannover hat an seiner Grenze auch ein ganz bedeutendes römisches Marschlager“ und dann kommen Leute da hin und sagen „Wo isses denn?“  „Ach, es ist dieser Teich“. Ja das find` ich persönlich kurios. Und wir haben ja auch noch nicht mal festgestellt, können wir ja auch nicht anhand dieser riesigen Größe dieses Lagers, ob noch irgendwelche Einbauten zu finden sind, wie Backöfen oder dergleichen.

Radiomoderatorin:  Es gibt es ja noch so ein Gegenargument derjenigen, die unbedingt den Kiesabbau vorantreiben wollen, es gibt durchaus archäologische Stellungnahmen, die sagen „So ein Römerlager gibt es in Europa viele. Wir brauchen dieses in Hemmingen nicht“, was sagen Sie dazu?

Pastor Freese (FAN): Ich finde es ist eben ein Gedanke, der dem entspringt, dass jetzt eben viel investiert wurde, um den Kies zu erschließen und ich find` das schon eben erhaltenswert.

-Einspielmusik-

Radiomoderatorin:  Der Luftbildarchäologe Hans-Dieter Pastor Freese (FAN), der das Römerfeld bei einer neuen Durchsicht alter Aufnahmen entdeckte, der hat es ja gerade eben in unserem Gespräch erwähnt: Erst die Bodentruppen, das sind die Archäologen und Ausgrabungstechniker des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie in Hannover, kurz NLD, konnten den Verdacht erhärten. In Hemmingen-Wilkenburg  fand man tatsächlich Funde aus römischer Zeit, eine archäologische Sensation – das fanden viele schon damals. Gleich im April 2016 nach der langen Winterpause, in der Archäologen ja nicht graben können, da waren wir für unser „Thema“ schon dabei, als Grabungstechniker Harald Nagel (NLD) den Gemüseacker mit dem Metalldetektor absuchte. Was er damals fand, Nagel (NLD) durfte vor einem Jahr darüber noch Auskunft geben, heute geht das nicht mehr, denn seit gut einem halben Jahr müssen die Fachleute vom NLD schweigen. Das Ministerium will das so, denn zu hoch schlagen die Wellen um das Thema „Römerlager Wilkenburg“. Denn noch ist lange nicht klar, was mit dem Römerlager, mit dem Gemüseacker, unter dem das gefunden wurde, passieren soll. Wird da Kies abgebaut oder wird das zum Grabungsschutzgebiet erklärt, also für die kommenden Generationen weiter erhalten. Aber 2016, da hatten die Archäologen noch keinen Maulkorb um - und jetzt Harald Nagel (NLD).

Nagel (NLD): Die ersten Funde, die waren doch so klasse und die haben uns genau auf die richtige Spur gebracht.  Es waren römische Münzen aus der Zeit um Christi Geburt und auch früher und damit war eigentlich klar, dass sich hier römische Truppenverbände aufgehalten haben müssen. Man muss sich ja vorstellen, dass hier schätzungsweise 20.000 Personen genächtigt haben und vielleicht nicht nur eine Nacht, sondern auch mehrere Nächte. Und das wird schon einige Hinterlassenschaften zu Tage bringen, denke ich. Also überliefert ist ja, dass die römischen Truppenverbände jede Nacht sich ein Marschlager aufgebaut haben. Das bestand aus einem Spitzgraben, der 1,50 Meter breit und 1,50 Meter tief war und spitz unten zulief, der Aushub wurde hinter dem Graben, also im Lagerinneren aufgeschüttet, befestigt und oben drauf wurden mitgeführte Palisaden, die die Legionäre mithatten, aufgestellt, und so war das ein ziemliches Hindernis für eventuelle Angreifer. Und das Lager wurde dann am nächsten Tag, wenn sie weitermarschiert sind, wurden die Gräben wieder zugeschüttet, die Palisaden rausgezogen und auf die Maultiere verladen und dann ging es weiter bis zum nächsten Lager. Aber die haben unter Umständen auch mal länger als eine Nacht kampiert.

Radiomoderatorin:  Dass die Römer bis hoch in den Norden expandierten, bis an die Elbe, weiß die Wissenschaft aus den Schriften römischer Gelehrter.

Nagel (NLD): Die alten Schriften, Tacitus, Dio, die haben es ja schon beschrieben, dass die Römer bis an die Elbe vorgestoßen sind, um dort mit den Langobarden Kontakt aufzunehmen. Aber, man ist sich natürlich überhaupt nicht im Klaren da gewesen, wo die lang gezogen sind, wo die langgezogen sein könnten und da ist natürlich dieses Lager hier, so weit im Norden,  ist jetzt das nördlichste, was überhaupt bekannt ist. Hat natürlich `ne immense Lawine losgetreten, wo ist jetzt die Marschrichtung, wo genau sind die langgezogen, ne?  Ich finde das ist schon richtig hammermäßig, ne? Also dass wir hier sowat haben, ne?

Radiomoderatorin:  Grabungstechniker Harald Nagel (NLD) 2016 während einer kleinen Probegrabung in Wilkenburg. „Hammermäßig“ – findet auch der Chemiker Dr. Robert Lehmann (NGH) das Römerlager. Schon die ersten Wilkenburg-Funde landeten in seinem Labor an der Leibniz-Universität Hannover.

Lehmann (NGH):  Bisher wurden 1.800 Funde dort geborgen, das ist eine gewaltige Menge. Natürlich nicht alles römisch, aus verschiedenen Epochen, wir haben dort ein Gräberfeld, wir haben dort ein Hügelgrab, bronzezeitliches, und wir haben halt diese Artefakte des römischen Marschlagers. Das ist also extrem fundreich und allein durch die Sondage kommen dort immer wieder neue Funde ständig ans Licht, die natürlich geborgen werden.

Radiomoderatorin:  Robert Lehmann (NGH) ist Chemiker, aber auch eine ganz besondere Art von Chemiker – er ist Archäochemiker, er untersucht archäologische Fundstücke mit den Mitteln der Chemie. Das ist eine ganz neuartige Forschungsrichtung.

Lehmann (NGH):  Also, eigentlich die meisten Buntmetallobjekte, die dort gefunden wurden, das sind mehrere Hunderte, und da ist zum Beispiel aufgefallen, dass bis zu 20% dieser Objekte vergoldet waren und das erlaubt uns Rückschlüsse auf die Truppen, die dort waren. Also wir gehen davon aus, dass dort etwa 20.000 Legionäre da waren und wenn also 20% vergoldete Rüstungsteile hatten, dann waren das besondere Ehrentruppen oder eben ganz besondere Truppen, die eben nicht irgendeinen unbedeutenden Feldherrn begleiten sondern wahrscheinlich in diesem Zeitraum Tiberius persönlich, den späteren Kaiser.

Radiomoderatorin:  Auch Robert Lehmann (NGH) sagt hier „tut sich Großes“.  Dass der Fundort wahrscheinlich schon bald in einem Kiessee verschwindet, sei nicht zu fassen. Schon dass allein darüber nachgedacht wird. Das Land Niedersachsen habe die Pflicht zum Aufkauf.

Lehmann (NGH):  Also die Kategorie eines Denkmals von landesgeschichtlicher Bedeutung, wie das Römerlager Wilkenburg eingestuft wurde, ist die höchste Kategorie, die es gibt für ein Denkmal. Und diese Denkmäler werden in der Regel vom Land aufgekauft und dann quasi zu Grabungsschutzgebieten erklärt oder zumindest für die Zukunft gesichert. Bei Wilkenburg soll dazu nichts passieren, das ist sehr ungewöhnlich.

Radiomoderatorin:  Um das zu verhindern, engagiert sich Robert Lehmann (NGH) in der Römer AG Leine. Was sich nach einer Schul-AG anhört ist mittlerweile eine rührige Bürgerinitiative, die intensiv für den Erhalt des Römerlagers in Wilkenburg kämpft. Mit dabei ist auch die Historikerin Dr. Karola Hagemann (RAGL).

Hagemann (RAGL): Ein Römerlager vor den Toren von Hannover, nah der unmittelbaren Umgebung, ist natürlich etwas ganz Besonderes. Und da muss man sich natürlich engagieren. Wir machen Kinder- und Jugendlichenarbeit, um eben den Leuten auch klarzumachen, was für ein bedeutendes Denkmal das ist, was da genau vor ihrer Haustür ist. Das Interesse ist groß, wir hatten mehr als tausend Menschen, die wir da durchgeführt haben, die Aktionstage, die wir machten, auch so mit Dingen wie Münzschlagen oder einem echten Legionär, den wir da hingestellt haben, der dann den Kindern/Jugendlichen, aber natürlich auch den Erwachsenen das tatsächlich mal zeigen konnte – so sah es aus. Das sind Dinge, die man ausweiten kann und wo man tatsächlich auch zeigen kann, welche geschichtliche Bedeutung dieser Platz hat und welche geschichtliche Bedeutung es eben auch für Niedersachsen und für uns alle hier hat.

Radiomoderatorin:  Zukunftspläne gibt es auch schon. Das Areal könnte touristisch genutzt werden, ein außerschulischer Lernpfad für Schüler – auch denkbar,  ein Architekturdozent hat sich sogar schon ein Besucherzentrum mit 15 Meter hohem Aussichtsturm ausgedacht.

Hagemann (RAGL): Wir haben vor ein Informationszentrum einzurichten, man kann sich auch wunderbar vorstellen meinetwegen mit Licht etwas darzustellen oder wenn man sich andere Römerlager anguckt, die ausgegraben worden sind, das man mit Spitzgräben und Wände machen kann, so dass sich der Bürger tatsächlich etwas angucken kann.

Radiomoderatorin:  Mittlerweile hat sich die Initiative weitere Unterstützung gesucht, der Vorsitzende des Landesverbandes der jüdischen Gemeinde von Niedersachsen, Rechtsanwalt Dr. Michael Fürst (Jüdische Gemeinde) ist jetzt Schirmherr. Warum hat er das gemacht?

Fürst (Jüdische Gemeinde): Ich glaube`s ist ganz wichtig, denn das zeigt ja, dass es andere Menschen gibt, als vielleicht so Paar blöde Spinner, was vielleicht einige meinen, die sich für so`n Römerlager interessieren würden. Hier geht es um mehr, hier geht es darum, dass wir unsere Geschichte bewahren und dazu gehört auch die Erforschung dieses Römerlagers und das können wir nicht mehr erforschen, wenn`s weg ist.

Radiomoderatorin:  Michael Fürst (Jüdische Gemeinde) kann nicht verstehen, warum der Denkmalschutz ausgerechnet beim Römerlager in Wilkenburg kein Gehör findet.

Fürst (Jüdische Gemeinde):  Bei jeder Fliese, die heute in einem Haus abgenommen werden soll, kommt der Denkmalschützer und sagt „Das geht auf keinen Fall“ und die bleibt natürlich dran, auch wenn dadurch das ganze Bauvorhaben gestoppt werden muss. Und hier haben wir ein Landesdenkmal und dieses Landesdenkmal soll zerstört werden, indem dort Kies abgebaut wird. Das ist für mich nicht nachvollziehbar.

Radiomoderatorin:  Die Sache mit dem Kiesabbau kann er aber auch verstehen, die Interessen der Unternehmerverbände, der Bauwirtschaft,  gerade jetzt, wo überall gebaut wird.

Fürst (Jüdische Gemeinde):  Naja, beides ist natürlich schon wichtig. Eine Region, eine Stadt, ein Land hat natürlich auch wirtschaftliche Interessen im Auge zu haben, das ist gar keine Frage. Aber hier muss man versuchen das auf einen Nenner zu bringen, das heißt also - es gibt Möglichkeiten den Kiesabbau weiterhin zu sichern und möglicherweise zurückzustellen.

Radiomoderatorin:  Wichtiger aber als alle wirtschaftlichen Interessen und das Rohstoffsicherungsgesetz sei die Geschichte, unsere Geschichte.

Fürst (Jüdische Gemeinde):  Ich glaube, wenn wir vergessen, wo wir herkommen, wenn wir vergessen darüber nachzudenken, wo wir herkommen, dann begehen wir `n  großen Fehler.

-Einspielmusik-

Radiosprecher: NDR 1 Niedersachsen – Unser Thema

Radiomoderatorin: Unser Thema heute – Kies oder Römer, Kampf um das Römerlager in Hemmingen-Wilkenburg, Sabine Gurke-Salz ist am Mikrofon. Viel Zeit und Geld investieren die Mitglieder der Initiative „Römer an der Leine“, um sich für den Erhalt des Römerlagers in Hemmingen-Wilkenburg bei Hannover einzusetzen. Wir haben gerade über die AG berichtet. Dass sich die viele Arbeit lohnt, davon ist die Initiative überzeugt und auch die Menschen vor Ort wollen das Römerlager und nicht den Kiesabbau. Der mit Lärm und Schmutz und langer Baustelle verbunden wäre. Noch einmal Dr. Robert Lehmann (NGH) von der Initiative.

Lehmann (NGH): Der gesamte Rat der Stadt Hemmingen hat sich für den Erhalt ausgesprochen. Es sind mehrere Organisationen, die alle für den Erhalt plädieren, die werden aber leider nicht gehört.

Radiomoderatorin:  Das ist nicht so ungewöhnlich, wenn man sich den Gemüseacker genauer ansieht. Der ist nämlich als Fläche Teil eines so genannten “Vorranggebietes Rohstoffgewinnung“.  Das Ganze von landesweitem Interesse und in der Bedeutung bei der Region Hannover verortet. Dort läuft das so genannte „Planfeststellungsverfahren“. Und hier meldet sich das wirtschaftliche Interesse des Kiesabbaus. In diesem Fall die Interessen des Schweizer Konzerns Holcim und der heimischen Bauwirtschaft.  Schon lange wird in der Region Hemmingen Kies abgebaut. Zu lange.

Bürgermeister Schacht-Gaida: Natürlich brauchen wir alle Kies, das ist ja nicht die Frage, aber wenn Sie sich die Topographie und die Geographie Hemmingens angucken, dann sehen Sie, dass wir schon sehr sehr viel dazu beigetragen haben, dass hier Menschen auskiesen konnten, also ich denk` wir haben unsere Schuldigkeit getan.

Radiomoderatorin:  Dieter Bürgermeister Schacht-Gaida, seit zwanzig Jahren der Bürgermeister der Stadt Hemmingen und ungefähr so lange wir in der Region auch Kies und Sand abgebaut. Bürgerproteste haben nichts genutzt. Auch Klagen vor Gericht nicht, denn das Land Niedersachsen hat die Gemeindeflächen als Rohstoffvorranggebiet deklariert. Dagegen hilft auch kein Jammern und keine juristische Klage.

Bürgermeister Schacht-Gaida: Diese Fläche ist nun mal rechtlich so abgesichert, dass wir als Kommune keine Chance haben das zu verhindern. Die Städte werden dazu gezwungen diese Auskiesungen zuzulassen.

Radiomoderatorin:  Ohnmacht also im Rathaus von Hemmingen. Das änderte sich, als ein Anruf vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege kam.

Bürgermeister Schacht-Gaida: Dann kam die Nachricht „Hier ist ein Römerlager gefunden worden“ und ja, da kam etwas Freude auf, weil es eine Bestätigung ist nochmals oder Bekräftigung unserer Ansicht, dass man dort auf keinen Fall auskiesen darf.

Radiomoderatorin:  Aber so einfach ist das nicht. Wo anderenorts ein solcher Fundort zum Grabungsschutzgebiet erklärt wird, wird hier gerungen, was wichtiger ist – das Denkmalschutz- oder das Rohstoffsicherungsgesetz. Für Bürgermeister Schacht wäre das eine ganz klare Entscheidung.

Bürgermeister Schacht-Gaida: Nach meiner Einschätzung und nachdem, was ich alles gelesen habe und dazu auch weiß, ob wir es gut finden, dass MWK, das Ministerium für Wissenschaft sagen würde: „Das ist ein Römerlager, das zu schützen ist“ und wir ordnen sozusagen an und sagen: „Hier wird nicht ausgekiest“.

Radiomoderatorin:  Bürgermeister Schacht weiß aber auch, wahrscheinlich wird es so kommen. Planungsfehler im Antrag könnten das Kiesgenehmigungsverfahren wenigstens schon mal ins Stocken bringen, sagt der studierte Politologe und auch Historiker. Immerhin etwas. Darf ein Unternehmen einfach so sagen: „Da wollen wir abbauen“?

Bürgermeister Schacht-Gaida: Der Antragsteller hat, aus meiner Sicht, im Verfahren einfach mal `nen groben Stift genommen und hat gesagt: „Die Fläche nehmen wir, die ist interessant für uns“. Zum Beispiel hat die örtliche Kirchengemeinde eine große Fläche, die auch mit überplant wurde und das sind Planungsfehler, die dürfen einfach nicht passieren. Zeigt aber auch, dass man da etwas nachlässig mit umgeht und drauf setzt, dass dies hohe Gut, das man natürlich hat, also das hohe Rechtsgut auskiesen zu dürfen, es ist ja landesplanerisch festgelegt, einfach nutzen wird, egal in welcher Form.

Radiomoderatorin:  Sicher ist, es geht auch um viel Geld. 16 Millionen sollen für die Auskiesungsfläche als Angebot im Spiel sein. Die Entscheidung, ob hier ausgekiest werden darf, das Römerlager in einem Kiessee also verschwindet, liegt bei der Region. Bürgermeister Schacht.

Bürgermeister Schacht-Gaida:  Die Region sieht das anders, sie sagt: „Ja, das kann man schützen, das sollte man schützen, aber es reicht, wenn bestimmte Maßnahmen ergriffen werden, um die Fundstellen zu sichern und dann kann ausgekiest werden.

Radiomoderatorin:  „Das geht gar nicht“, so Archäochemiker Robert Lehmann (NGH). „Das Gebiet muss für spätere Generationen bewahrt werden“. Ist das Römerlager vielleicht doch nicht soo wichtig und bedeutend, wie die AG „Römer an der Leine“ es sich wünscht?

Lehmann (NGH): Nein, die Bedeutung ist ganz klar von der gesamten Fachwelt unterstrichen worden, auch von größeren Behörden. Bundesweit wurde betont wie wichtig das ist und dass es nicht zerstört werden darf, es ist eher mittlerweile politischer Streit – wer hat den Vorzug? Also gilt eher das Rohstoffsicherungsgesetz, ist dem Kiesabbau Vorzug zu geben oder überwiegt das kulturelle Denkmalinteresse.

Radiomoderatorin:  Wir treffen Professor Dr. Stefan Winghart (NLD-Präsident), den scheidenden Präsidenten des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie in Hannover, kurz NLD. Grade heute ist sein letzter Tag im Amt, Stefan Winghart (NLD-Präsident) geht in den wohlverdienten Ruhestand. Eigentlich darf seine Behörde in diesem Fall ja nichts mehr offiziell verlautbaren, Stefan Winghart (NLD-Präsident) gibt uns trotzdem ein Statement.

Winghart (NLD-Präsident): Ja, ich kann natürlich nur sagen, also wir werden uns hier, außer mit unserer fachlichen Expertise, nicht einmischen, weil wir uns in diese Belange auch nicht einzumischen haben. Aber als Archäologe darf ich doch meiner Hoffnung Ausdruck geben, dass also die Chance einer solchen Ressource für die Forschung in den kommenden Jahrzehnte(n) tatsächlich erhalten werden kann.

Radiomoderatorin: Das ist also die Position des NLD, die Fläche mit dem Römerlager so zu erhalten, wie sie ist, sie ruhen zu lassen. Darauf warten, bis die schnell voranschreitende Technik neue, bessere Methoden hervorbringt und so auch neue historische Erkenntnisse eines Tages ermöglichen kann.

Winghart (NLD-Präsident): Das ist eine ungeheure Chance. Archäologen graben ja nicht einfach aus, sondern sie wollen ja zuallererst mal bewahren und wenn sie denn ausgraben müssen, dann soll das immer mit den größtmöglichen technischen Möglichkeiten und Erkenntnismöglichkeiten sein. Die Erkenntnismöglichkeiten schreiten voran. Und sie schreiten vor allen Dingen im digitalen Zeitalter natürlich rapide voran und alles, was jetzt gegraben wird, da wird man in zwanzig Jahren da drüber sagen: „Um Gottes Willen! Hätten sie es nur im Boden gelassen! Wir hätten jetzt doch ganz andere Möglichkeiten.“

Radiomoderatorin: Der Mann, der das jetzt entscheiden muss, wie es weitergeht mit dem Römerlager in Hemmingen ist allem Anschein nach Professor Dr. Axel Priebs (Region Hannover). Seit 2001 Dezernent für Umwelt, Planung und Bauen in der Region Hannover. Und für die Sache mit dem Römerlager zuständig.

Priebs (Region Hannover): Na ja,  um mal eines vorwegzunehmen, es bestreitet niemand, dass das wissenschaftlich hoch interessant ist, was hier an Erkenntnissen so in den letzten Jahren herangereift ist.

Radiomoderatorin: Theoretisch also ist das Römerlager in Wilkenburg eine schöne Sache, wenn da nicht der Kies- und Sandabbau wäre. Kann der Kies denn nicht irgendwo anders abgebaut werden?

Priebs (Region Hannover): Ja es ist schon ein großer Bedarf da, es wird viel gebaut, die Baukonjunktur blüht, es ist auch vernünftig, dass Rohstoffe in der Nähe der Baustellen gewonnen werden. Das über viele hunderte Kilometer mit Lastwagen oder anderen Transportmitteln heranzutransportieren ist auch nicht besonders ökologisch, also ist es schon vernünftig Rohstoffe hier auszubeuten, solange es geht, aber die Rohstoffnutzung ist nirgendwo eine beliebte Nutzung, weil es mit vielen auch Störungen da und dort verbunden ist, Verkehr, Lärm, aber es ist volkswirtschaftlich notwendig Rohstoffe zu gewinnen, für die Bauwirtschaft ist es wichtig, für die Volkswirtschaft ist es wichtig und das ist ein schwieriger Spagat.

Radiomoderatorin: Nicht nur die Denkmalschützer machen Druck, auch die Unternehmerverbände.

Priebs (Region Hannover): Wir stehen von der Rohstoffwirtschaft unter dem massiven Vorwurf. Der Unternehmerverband hat sich an das Wirtschaftsministerium gewendet, dass wir als Region mutwillig den Kiesabbau versagen, also ist es sozusagen dann die andere Seite.

Radiomoderatorin: Baudezernent Priebs (Region Hannover) ist studierter Geograph. In seinem Büro hängt eine große Karte, darauf die Bodenschätze der Region, schraffiert oder bunt hervorgehoben. Rund um Hemmingen fallen die vielen Kiesseen auf. 

Priebs (Region Hannover): Ja Hemmingen ist da sehr stark belastet, aber man kann`s natürlich positiv ausdrücken – Hemmingen ist der Hotspot des schönen Kieses, also die besten Kiesvorkommen sind dort. Natürlich gibt es noch gute Kiesvorkommen, aber sie werden im regionalen Umfeld hier geringer und es gibt auch schon einige Bereiche, die sind ausgebeutet, da kann man nichts mehr rausholen. Also Kies in der Qualität im Leinetal oder wir haben auch ähnliche Konflikte am Bredinger Berg, das sind so mit die besten Vorkommen hier, da wird es schon eng.

Radiomoderatorin: Kann man jetzt Anbetracht der Regierungskrise in Niedersachsen und der bevorstehenden Neuwahlen am 15. Oktober überhaupt noch mit einer Entscheidung rechnen? Eines ist klar, im zuständigen Ministerium, das die oberste Entscheidungsbehörde ist und die als einzige den Streit beenden könnte, ruhen die Amtsgeschäfte ja eigentlich nicht.  Bis eine neu gewählte Regierung eingesetzt wird, kann das Ministerium für Wissenschaft und Kultur in Hannover noch die Sache mit dem Römerlager entscheiden oder beeinflussen. Und Baudezernent Priebs (Region Hannover), auf dessen Schreibtisch die leidige Angelegenheit liegt wie ein stinkender Fisch, was macht der jetzt? Ignoriert er die Expertise der gesamten Fachwelt und den Willen der Hemminger Bürger oder rettet er das Rohstoffsicherungsgesetz und erfreut damit die Unternehmerverbände?

Priebs (Region Hannover):  Wenn man wirklich der Meinung ist, etwas muss erhalten bleiben wie es ist, dann gibt es eben die Möglichkeit - hätte das Land machen können – ein Grabungsschutzgebiet dort auszuweisen, dann ist das eine rechtswirksame Handlung, die dann eben auch den Kiesabbau dort untersagt, aber das hat das Land nicht gemacht, da müssen Sie das Land fragen, warum es  das nicht gemacht hat, aber wir sind hier in der Situation, dass rechtlich der Bodenabbau Vorrang hat und da gibt es dann den Weg, dass man dann eher eben sehr verantwortungsvoll mit den Funden umgeht, sie sichert, sie wissenschaftlich auswerten kann, aber zu lassen, wie es ist, dazu haben wir nicht die rechtlichen Voraussetzungen.

Radiomoderatorin: Das heißt, es wird Sicherungsgrabungen geben.

Priebs (Region Hannover):  Auf jeden Fall. Also bevor irgendjemand da auch nur einen Kubikmeter Kies gewinnen kann, wird da jeder Quadratzentimeter durchsucht. Da wird also dann nach dem Stand der Technik, der Untersuchungstechnik, wird dann das gesichert, was da drin ist und ich habe auch schon mit Archäologen gesprochen, die gesagt haben „Das ist natürlich interessant hier mal zu gucken, was wirklich drin ist“.

Radiomoderatorin: Noch-Präsident des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie in Hannover, Professor Stefan Winghart (NLD-Präsident) gehört sicher nicht zu diesen Archäologen, schließlich ist er ein Befürworter, dass das Römerlager in Wilkenburg in Ruhe gelassen wird für spätere Generationen. Aber das feine Durchsuchen, Sieben und Pinseln der Erde, die Schutzgrabung, muss der Antragsteller, also der mögliche Kiesabbauer - die Schweizer Holcim, bezahlen und das kann teuer werden, sehr teuer sogar.  Ob sich dann noch der Kiesabbau lohnt, das dürfe bezweifelt werden, so Winghart (NLD-Präsident).

Winghart (NLD-Präsident): Das kann nicht nach 08/15-Methode gehen, dazu ist der Fund zu singulär und auch zu bedeutend. Das wird eine Angelegenheit sein, die nicht mit Maschinen gemacht werden kann, die nur mit Hand gemacht werden kann, wo mindestens zwei Jahre, also zwei Grabungssaisonen ins Land zu gehen haben, wo nach Quadratmeter-Methode gegraben werden muss, wo abgedeckt werden muss. Also das wird eine sehr sehr sehr aufwändige Angelegenheit.

Radiomoderatorin: Derweil wartet die Region noch auf eine Handreichung des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, eine Art Leitfaden, wie mit dem Römerlager umgegangen werden soll, dann wird auch die Archäologin der Region ihre Einschätzung neu vorlegen. Denn um die hat es sehr viel Wirbel gegeben.

Priebs (Region Hannover):  Genau. Eine Überarbeitung, die aber eben jetzt erst abgeschlossen werden kann, wenn eben diese Stellungnahme des Ministeriums zu bestimmten Methoden noch vorliegt, die erwarten wir noch und dann geht es auch im Verfahren weiter.

-Einspielmusik –

Radiomoderatorin: Ziehen wir eine vorläufige Bilanz – der Kampf um das Römerlager in Hemmingen ist ein wunderbares Anschauungsobjekt dafür, wie hierzulande Kommunal- und Landespolitik, Wirtschaft und Denkmalschutz, Bürger und Politiker, Landesraumordnungsprogramm und Anwohnerinteressen vor Ort miteinander in Interessenkonflikt geraten können. Maulkörbe sind verteilt worden und Zuständigkeitswirrwarr herrscht. So klar scheint allen Beteiligten nicht zu sein, wer hier jetzt eigentlich zu entscheiden hat, ob das Römerlager ein Grabungsschutzgebiet, ein Erlebnispark oder doch eine Kiesgrube wird. Der Bürgermeister von Hemmingen sagt die Landesregierung könne ein Veto einlegen, sonst müsse die Region entscheiden. Die Region sagt, nur das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur könne ein Veto einlegen. Das Ministerium aber sagt, nur die Region kann den Acker aus dem Raumordnungsprogramm rausnehmen, aus dem so genannten „Vorranggebiet Rohstoffgewinnung“. Und der Präsident des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie hat nichts zu entscheiden, obwohl in seinem Amt  die wahrscheinlich größte Fachkompetenz in dieser Sache zu finden wäre.  Was hatte uns der Baudezernent der Region, Axel Priebs (Region Hannover), noch mit auf den Weg gegeben? -„Fragen Sie doch das Ministerium, warum es kein Veto einlegt“. Das machen wir. Jetzt.  Wir fragen Dr. Gabriele Heinen-Kljajic (MWK), aber zuerst, was ihre persönliche Position ist, denn sie gehört ja der Partei Bündnis 90/Die Grünen an und ihre Parteifreunde im Rathaus von Hemmingen, wie auch die Grünen-Fraktion im Rat der Stadt Hannover haben sich für das Römerlager ausgesprochen und gegen den Kiesabbau.

Ministerin Heinen-Kljajic (MWK): Ich glaube, es geht nicht darum, dass ich als Ministerin dazu `ne persönliche Meinung habe, aber ich habe als fachaufsichtliche  Ministerin selbstverständlich immer die Interessen der Denkmalpflege, in diesem Falle der Archäologie zu berücksichtigen und in der Frage kann ich nur sagen, wenn dort abgebaut würde, wären entsprechende Auflagen einzuhalten, was eine Schutzgrabung der Fundstätten angeht.

Radiomoderatorin: Und die wird teuer und langwierig. Wir haben es vorhin gehört. Auch das Ministerium dürfte darauf bauen, dass eine aufwändige, kostspielige Schutzgrabung den Kiesabbau für längere Zeit verschiebt und so vielleicht für den Unternehmer uninteressant macht. Holcim schreibt auf Anfrage des NDR man habe „nach wie vor Interesse am Kiesabbau, müsse aber die Kosten für mögliche Schutzgrabungen abwarten.“  Aber wie ist das nun mit dem Veto?  Warum geht das nich?

Ministerin Heinen-Kljajic (MWK): Weil wir nicht dafür zuständig sind ein Veto einzulegen, die Region hat seinerzeit per Planfeststellungsbeschluss entschieden, dass das Abbaugebiet ist, jetzt gibt es einen Antrag einer Firma, die dort abbauen möchte und jetzt muss die Region selbst entscheiden unter welchen Auflagen der Abbau stattfinden kann. Dazu gehört es nach Denkmalschutzgesetz auch, dass auch die Belange des Denkmalschutzes mit berücksichtigt werden.

Radiomoderatorin: Das Ministerium wird also nur Gebrauch von seinem Recht machen die untere Denkmalschutzbehörde der Region fachlich zu beraten. Und da gilt, dass vor jedem Eingriff in den Boden, ob Hausbau oder Kiesabbau geklärt werden muss, ob sich in der Erde Denkmalschutzwürdiges verbirgt.  Und, so die Ministerin, ihre Behörde mischt sich nur ein, wenn sie Grund dazu hat.

Ministerin Heinen-Kljajic (MWK): Und wir haben nur als Fachaufsicht, was wir selten tun, aber in dem Falle haben wir das getan, als Fachaufsicht der unteren Denkmalschutzbehörde, nämlich der Region, nochmal den Auftrag mit an die Hand gegeben, Grabungsbedingungen an der Abbaustelle einzuhalten, die wir, wie gesagt, fachaufsichtlich vorschreiben. Das ist im Moment in Arbeit und wird dann auch in Kürze an die Region gegeben, aber wir können überhaupt nicht, also wir hätten gar nicht die rechtliche Möglichkeit, ein(en) Planfeststellungsbeschluss der Region aufheben, das geht gar nicht.

Radiomoderatorin: Dem Land bleibt also nur die fachaufsichtliche Weisung. Und der Gesetzgeber hat auch noch nicht geregelt, ob das Denkmalschutzgesetz oder das Rohstoffsicherungsgesetz höher angesiedelt ist. Es werden auch mögliche Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe im Raum stehen, die der Kiesabbauer Holcim für entgangenen Abbau stellen könnte, oder die Grundstückseigentümer, denen der Verkauf durch die Lappen gegangen ist. Auch hier rechnen Rechtsexperten mit Klagen. Verschwindet das Römerlager in Wilkenburg also im Kiessee, weil der Gesetzgeber noch nicht geregelt hat, was wichtiger ist – der Denkmalschutz oder die Rohstoffgewinnung?

Ministerin Heinen-Kljajic (MWK): Es wird nicht im Kiessee verschwinden, weil wir machen ja Auflagen, dass dort tatsächlich vorher gegraben wird. Und die Frage ist immer, was kann durch Grabung gerettet werden und was bleibt im Boden zurück. Die Frage stellt sich aber offen gestanden bei vielen Grabungsstätten.

Radiomoderatorin: Die niedersächsische Ministerin Gabriela Heinen-Kljajic (MWK) zur Zukunft des Römerlagers in Wilkenburg. Ist dies eine Fundstätte, wie viele? Das wollen wir jetzt wissen. Und ich begrüße jetzt ganz herzlich Professor Salvatore Prof. Ortisi (Uni München), er ist uns aus einem Studio des WDR in Köln zugeschaltet, Guten Tag Herr Professor Prof. Ortisi (Uni München).

Prof. Ortisi (Uni München): Guten Tag Frau Gurke-Salz.

Radiomoderatorin: Sie sind ja Professor für provinzialrömische Archäologie an der Universität in München und sie waren zuvor an der Universität in Osnabrück, die niedersächsischen Römerfunde sind Ihnen nur also allzu gut vertraut, Kalkriese, Harzhorn, Hedemünden und jetzt das Marschlager in Wilkenburg. Was bedeutet denn dieser Fund nun wirklich? Es gibt ja Zweifel.

Prof. Ortisi (Uni München): Jja, also tatsächlich ist der Wert oder der historische Wert dieses Bodendenkmals, dieses Marschlagers beim derzeitigen Forschungsstand kaum hoch genug anzusetzen. Im Fall von diesem Marschlager kann man sagen, natürlich kennt man relativ viele römische Marschlager, einige Dutzend, vielleicht sogar hundert von diesen Marschlagern in der ganzen römischen Welt, am Niederrhein, im Rheinland oder in Nordengland gibt es `ne ganze Menge davon, da würd` ich sagen ist die historische Bedeutung dieser einzelnen Lager jetzt nicht so besonders hoch anzusetzen. Hier haben wir es allerdings mit dem einzigen römischen Lager zu tun, aus einer für die Geschichte des späteren Niedersachsen, für die Geschichte Norddeutschlands ganz wichtigen Epoche. Und es ist das einzige, das heißt, der eigentliche Wert liegt nicht nur in diesen Gräben und Wällen, die da unter der Wiese liegen, sondern eben darin, dass es unser einziger Zeitzeuge ist, letztlich in dem Raum von einem wirklich wichtigen historischen Ereignis.

Radiomoderatorin: Was gibt es denn da Neues für die wissenschaftliche Forschung zu entdecken?

Prof. Ortisi (Uni München): Tatsächlich ist es für uns `n Hinweis darauf, dass die Römer hier in diesem Raum um Hannover herum operiert haben und zwar anscheinend mit `ner relativ großen Streitmacht, 30 Hektar, das sind sicherlich drei Legionen, die da unterwegs waren mit entsprechenden Hilfstruppen. Das bedeutet, das ist `ne große Militärmacht, die da unterwegs war, die hier, in welcher Mission auch immer über einige Zeit operiert hat. Das gibt uns natürlich `nen neuen Blick auf diesen Raum und auf die Bedeutung dieses Raums in dieser Phase der römischen Okkupation um Christi Geburt.

Radiomoderatorin: Hat man denn so eine vage Ahnung davon, was die Römer hier in diesem Hannoverschen Gebiet gemacht haben könnten?

Prof. Ortisi (Uni München): Nach diesem Neufund kann man sich das natürlich nochmal neu überlegen, wir haben hier einen sehr bedeutenden germanischen Siedlungsraum, also dank der Arbeit der Bodendenkmalpflege in den letzten Jahren und Jahrzehnten wissen wir, dass der Raum Hannover dicht besiedelt war von germanischen Stämmen, wahrscheinlich den Cheruskern, unter anderem den Cheruskern und die Römer agieren natürlich dort, wo die potentiellen Gegner am stärksten sind. Die zeigen ihre Militärmacht, die machen auch deutlich, dass ein Aufstand im Prinzip zwecklos ist, sie unterstützen ihre Verbündeten und dazu bewegen sie sich in diesen politischen Zentren der Germanen. Hier haben wir das einzige Marschlager eben einer für die Geschichte des norddeutschen Raums wichtigen Epoche, es ist der einzige archäologische Zeitzeuge, den wir im Moment haben, wenn der weg ist - haben wir keinen mehr und das Argument „da gibt`s sicherlich noch mehrere“, das mag richtig sein, das wird richtig sein, allerdings kennen wir die nicht.

Radiomoderatorin:  Auch die Anzahl der dort gemachten Funde wird ja angezweifelt und auch die Bedeutung wird angezweifelt, wie ist das jetzt für sie als Fachmann? Ist die Anzahl der dort gemachten Funde gering oder doch ganz ordentlich?

Prof. Ortisi (Uni München): Fundmenge ist ganz ordentlich, ich hab` letzte Woche von den Kollegen in Hannover `ne neue Fundkartierung auch zugeschickt bekommen, man sieht, dass sich die römischen Funde innerhalb dieser Umwehrung auch konzentrieren. Gleichzeitig muss man sagen, solche kurzzeitig belegten Anlagen weisen in der Regel relativ wenig Fundmaterial auf und gemessen an dem, was aus solchen Marschlagern normalerweise zu erwarten ist, ist der Fundanfall in Wilkenburg ausgesprochen hoch.

Radiomoderatorin:  Jetzt gibt es ja wirklich Streit, was mit dem Römerlager in Wilkenburg unter dem Gemüseacker passieren soll, darf so ein Fundort in einem Kiessee verschwinden?

Prof. Ortisi (Uni München): Das würde mich persönlich natürlich sehr sehr traurig machen, allerdings verlieren wir dann wirklich den einzigen archäologischen Zeitzeugen für diese ganz ganz spannende Zeit der römischen Okkupation im Norden Deutschlands und ja, also mir persönlich würde es extrem leidtun. Ich bezweifle, dass wir so schnell wieder `n Bodendenkmal aus der Zeit in der Güte bekommen, also da, da müsste schon viel Forschung passieren, um da `nen Ersatz zu finden für Wilkenburg. Alles wird ja im Moment wieder überprüft und neu bewertet.

Radiomoderatorin:  Also Sie haben Hoffnung für das Römerlager in Wilkenburg?

 Prof. Ortisi (Uni München): Ja. Wie hat`s gestern `n Kollege gesagt – „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, aber natürlich wär` das sehr schön, wenn man den Ort erhalten könnte, weil er beim derzeitigen Forschungsstand einfach das einzige archäologische Zeugnis ist für die römische Okkupation hier im Weser-Leine-Gebiet.

Radiomoderatorin:  Soweit Professor Dr. Salvatore Prof. Ortisi (Uni München), ein Experte für provinzialrömische Archäologie, über die Bedeutung des Fundes des Römerlagers in Wilkenburg. Nichtsdestotrotz, dass zu befürchten steht, dass das Römerlager im Kiessee verschwinden könnte,  die Römer-AG kämpft unverdrossen weiter. Auch jetzt im August steht sie am Wochenende am Römerfeld und enthüllt im Regen eine neue, eine dritte Informationstafel. Und auch in den nächsten Wochen sind einige Führungen und Veranstaltungen geplant. An diesem Tag ist auch eine Vertreterin der Bürgerinitiative gegen den Kiesabbau gekommen.

Niederstadt (Bürgeriniative): Bei uns geht es eigentlich um den Kiesabbau, weil wir sind ja die Anwohner, die unmittelbar von diesem Kiesabbau betroffen sind.  

Radiomoderatorin:  Marita Niederstadt (Bürgeriniative) wohnt seit 2000 am Rand des Naturschutzgebietes „Dicke Riede“, lebt es sich da gut?

Niederstadt (Bürgeriniative): Wir wohnen natürlich hier sehr schön ruhig, ein bisschen abgelegen und wir haben uns natürlich alle diese Lage ausgesucht, wegen der Ruhe, wegen der Natur, die hier ist und ja, wir haben hier schöne Biotope mit den schönen Pflanzen und vor allen Dingen mit den Vögeln, die seltenen, die Milane, die schwarzen, die roten und die schönen Wege hier ringsum und dass wir mit dem Fahrrad durch das Grüne fahren können, das waren natürlich alles Gründe, warum wir uns diesen Wohnort hier ausgesucht haben.

 Radiomoderatorin:  Die Initiative entstand, als der Antrag auf Kiesabbau in diesem Landschaftsschutzgebiet gestellt wurde.

Niederstadt (Bürgeriniative): Also ich habe ehrlich gesagt nicht geglaubt, dass es soweit kommt, weil ich denke, dass hier so viele Faktoren dagegen sprechen, also wir haben einmal natürlich das Wohngebiet, was durch den Lärm und durch den Staub und durch die vielen Lkw`s sehr belastet ist, sag` ich mal und wir haben hier auf der anderen Seite dieses Gebiets den Campingplatz, die Ferienhäuser, also quasi das Naherholungsgebiet und die Kleingärten und die zwei Biotope. Also dieses ist ein Naturschutzgesetz-geschütztes Biotop und da drüben auch. Dieses Biotop da drüben muss sogar durschnitten werden von diesem Kiesabbau und also ich sach` wenn man jetzt mal von oben drauf guckt, dann ist ringsum sind alles Nutzungen da, die eigentlich dagegen sprechen. Und deswegen also hab` ich immer gehofft, dass es nicht soweit kommt.

Radiomoderatorin:  „Sehr schade auch für das Römerlager“, sagt Marita Niederstadt (Bürgeriniative), für das sie sich auch begeistern kann.

Niederstadt (Bürgeriniative): Es ist einfach unbeschreiblich, wenn man sich vorstellt, was für ein großes Lager das gewesen ist. Ich war mal in Rom und das Forum Romanum, das war für mich die also absolut...das Highlight einfach mal über diese Straßen zu gehen, von denen ich weiß, dass die alten Römer und der Caesar da gewesen sind und dass es einfach auch ein tolles Gefühl ist zu wissen, das ist hier gewesen.

Lehmann (NGH): So, darf ich Sie alle dann hier nach vorne bitten?

Radiomoderatorin:  Es ist soweit - gut dreißig Interessierte sind gekommen. Robert Lehmann (NGH) und Karola Hagemann (RAGL) stehen rechts und links von der neuen Informationstafel, noch hängt das rote Tuch darüber, Robert Lehmann (NGH) streckt den Arm aus und zeigt nach vorne auf das Feld, alle Köpfe drehen sich um...

Lehmann (NGH): Sie stehen hier auf einer geteerten Straße und der Zufall will es, dass direkt dahinter der Graben des Lagers verläuft, wenn Sie in die Richtung schauen, ne...

Hagemann (RAGL): Sie müssen sich vorstellen – der ganze Bereich von dort drüben, riesig groß, dreißig Hektar, war voll mit römischen Legionären.

Radiomoderatorin:  Karola Hagemann (RAGL) erzählt von einem römischen Chronisten, der genau von dieser Region und den Stämmen in dieser Region berichtet haben soll.

Hagemann (RAGL): Velleius Paterculus, eine unserer Quellen, war einer der Offiziere, die tatsächlich bei diesem Feldzug dabei waren. Sie müssen sich also vorstellen – da hinten stand irgendwo das Zelt, in dem Tiberius höchstwahrscheinlich gesessen hat und Velleius Paterculus sitzt da und schreibt das auf.

Radiomoderatorin:  Das Publikum starrt aufs Feld – Tiberius, der Sohn des Kaiser(s) Augustus und später selber Kaiser, soll hier auf diesem Gemüseacker vor 2000 Jahren sein Marschlager aufgeschlagen haben? Skurrile Vorstellung. Karola Hagemann (RAGL) zieht ein kleines rotes Buch aus der Tasche und beginnt, wie zum Beweis, daraus zu lesen.

Hagemann (RAGL):  Tiberius ging also sofort nach Germanien, unterwarf die Caninefater, die Atuarier und Brukterer - das sind Stämme hier – und besiegte aufs Neue die Cherusker. Arminius, ein Mitglied dieses Stammes, würde bald berühmt werden wegen des Desasters, das er auf uns brachte. Er überschritt die Weser und drang in die dahinter liegenden Gebiete ein. Also hier. Caesar selbst - also Tiberius - übernahm alle schwierigen oder gefährlichen Teile des Krieges und überließ Sentius Saturninus die weniger gefährlichen Operationen.

Radiomoderatorin:  Robert Lehman erklärt noch, dass dieses Marschlager einer der wenigen gefundenen Hinweise auf den „immensum bellum“ 4/5 n. Chr., „den gewaltigen Krieg“ sei, den die Römer gegen die Germanen führten und zählt auf all die Fundstücke hier auf dem Gemüseacker in Wilkenburg bis jetzt. Spielwürfel, Sandalennägel, Rüstungsteile, Pferdegeschirrfragmente, Fibeln, Löffel und Bartpinzetten, viele Münzen. Und dann hebt Lehmann (NGH) ein besonderes Stück in die Luft – einen Armreif mit zwei Wolfsköpfen, ein Armreif aus Silber.

Lehmann (NGH): Damit man sich vorstellen kann, wo das früher saß, hab` ich Ihnen das mal mitgebracht, Männer trugen das immer am linken Handgelenk, man kann das hier so... Das ist besonders interessant, weil in römischer Zeit sowas hier als eine Art Auszeichnung, wie ein Orden diente, ne.

Radiomoderatorin:  Das Publikum hier, im idyllischen Naturschutzgebiet „Dicke Riede“ ist sichtlich fasziniert und fängt an zu murmeln.  Am Ende hat auch das Publikum Fragen.

Männliche Stimme: Kiesabbau...so...das is...is ja..danach kommt ja nur noch Tagebau.... Thüringen

Männliche und weibliche Stimmen: Ja, ja...

Weibliche Stimme: .......plätzen argumentieren, wenn man denn hier ein Zentrum macht, so wie in Kalkriese oder was weiß ich, würde das Arbeitsplätze und Fremdenverkehr und was weiß ich da fördern und würde doch auch Geld ins Stadtsäckel bringen aber....

Weibliche Stimme: ....mit der Ki....Firma reden könnte, die hier Kies abbaut, könnte sie vielleicht ein..ein Stück aussparen.

Radiomoderatorin:  Das richtige Stichwort für Robert Lehmann (NGH).

Lehmann (NGH): Keiner kann wirklich sagen zu 100 % „Man kann nicht ausweichen, es muss hier abgebaut werden, laut Gesetz“. Das ist nicht korrekt, es gibt Ausweichmöglichkeiten und diese werden aber offenbar gerade nicht genutzt und da müsste eigentlich das Ministerium tätig werden und sagen „Tut mir Leid, hier ist es nicht möglich, aber da und da könnte man theoretisch Vorranggebiete wieder auszeichnen“ oder wie auch immer.

Radiomoderatorin:  Auch Marita Niederstadt (Bürgeriniative) hört nachdenklich zu.

Niederstadt (Bürgeriniative): `türlich vom Kiesabbau her ist es natürlich auch `n wichtiger Aspekt, ich finde muss halt alle Aspekte abwägen. Man muss nicht nur den Bodenabbau gegen die Einzelnen, gegen Lärm, gegen Staub, gegen Römer abwägen, sondern einfach die Summe sehen.

 

Radiomoderatorin:  Ob das gelingen wird, ob die Rechnung zu Gunsten des Römerlagers und gegen den Kiesabbau ausgehen wird, es bleibt eine spannende Geschichte, noch ist nichts klar. Wenn Sie Lust haben den Gemüseacker in Wilkenburg mit dem Römerlager darunter mal selber in Augenschein zu nehmen, am „Tag des offenen Denkmals“ , am 10. September haben Sie dazu Gelegenheit. Mehr dazu auf unserer Internetseite. Das war unser Thema für heute, Sabine Gurke-Salz wünscht Ihnen einen guten Abend!